Kreistagsbeschluss gefährdet Zukunft der Kreisvolkshochschule

Osnabrück, 30.09.2025 – Die zukunftsfähige Entwicklung der Kreisvolkshochschule (VHS) im Landkreis Osnabrück steht auf dem Spiel. Ein kürzlich mit den Stimmen von CDU und Teilen der SPD gefasster Beschluss gefährdet nach Einschätzung der Grünen/FDP/CDW-Gruppe die erfolgreiche Standortstrategie der VHS. Die Entscheidung stoppt aktuelle Planungen, insbesondere ein Projekt in Georgsmarienhütte, und lässt eine Reduzierung der Bildungsangebote befürchten.

„Wir sind entsetzt über die Leichtfertigkeit, mit der CDU und SPD diesen Beschluss herbeigeführt haben. Die absehbaren Konsequenzen – die Gefährdung des Bildungsangebots für unsere Bürgerinnen und Bürger an einzelnen Standorten – waren den unterstützenden Parteien offenbar nicht bewusst“, erklärt Matthias Seestern-Pauly, Fraktionsvorsitzender der FDP. „Anders lässt sich nicht erklären, warum nach dem Beschluss eine Sitzungsunterbrechung zur Klärung des weiteren Verfahrens notwendig war, die im Chaos endete und eine Vertagung weiterer Beschlüsse notwendig machte.“

Rückschritt und Risiko einer Zwei-Klassen-Bildung

Der angenommene Antrag fordert, die Verantwortung für VHS-Räumlichkeiten grundsätzlich den kreisangehörigen Kommunen zuzuweisen. Diese Position ignoriert die Realität: Viele Kommunen sind infrastrukturell und finanziell überfordert, verlässliche Räumlichkeiten bereitzustellen – eine Problematik, die die VHS selbst klar benannt hat.

„Dieser Antrag ist nicht zu Ende gedacht und offenbar von dem Wunsch getrieben, im Vorwahlkampf Stimmung zu machen. Er ist nicht zeitgemäß, da er die Realität in den Kommunen ignoriert. Schon jetzt wird flexibel mit dem Raumangebot der einzelnen Kommunen und deren finanziellen Möglichkeiten umgegangen – und so sollte es auch bleiben. Andernfalls könnte es für die Kommunen deutlich teuer werden, wenn sie ihren Bürgern weiterhin ein Angebot machen wollen”, so Rainer Kavermann, Fraktionsvorsitzender der Grünen.

Der Beschluss stellt nachträglich die unter Landrat Lübbersmann 2017 begonnene Strategie infrage, auch kreiseigene Räume zu nutzen oder Räumlichkeiten gezielt anzumieten, wenn Kommunen keine passenden Räume stellen können. Das aktuelle Vorhaben in Georgsmarienhütte, nach längerer Suche passende Räumlichkeiten durch die VHS unter Beteiligung der Stadt Georgsmarienhütte anzumieten und auszustatten, liegt nun erstmal auf Eis.

„Wir müssen klar fragen, ob dieser Beschluss gerecht ist. Er riskiert, eine Zweiklassengesellschaft im Bildungsbereich zu schaffen: Finanzstarke Kommunen sichern ihre VHS-Angebote, andere gehen leer aus. Die ureigenste Zuständigkeit des Landkreises liegt aber in der Angebotsabsicherung in der Fläche”, betont Mareen Guth, Aufsichtsratsmitglied der VHS.

Sie ergänzt: „Die mit dem Antrag geforderte Transparenz ist im VHS-Aufsichtsrat gegeben und kann dort jederzeit gewährleistet werden. Standortplanungen, die Teil des Standortentwicklungskonzeptes sind, werden uns dort regelmäßig erläutert.“

Die Gruppe Grüne/FDP/CDW wird sich weiterhin dafür einsetzen, die Kreisvolkshochschule als starken und flächendeckenden Bildungsträger im Landkreis zu erhalten – ein Ziel, das durch diesen Beschluss nun deutlich erschwert wird.